Platz 16 beim Drapak Rodeo – Trotz Problemen

Nach den letzten beiden Rennen zur HESG ging ich mit gemischten Gefühlen an den Start – körperlich noch lange nicht bei 100 %, aber hochmotiviert, endlich wieder ein sauberes Wochenende hinzulegen und mein Potenzial abzurufen.
Gemeinsam mit meinen Kumpels Denis, Luca, Richard und Felix ging es mit dem ACE Bikes Crafter ins Riesengebirge nach Tschechien. Zahlreiche Fahrer aus ganz Europa waren dem tschechischen Klassiker ins Skigebiet Petříkovice gefolgt. Insgesamt stellten sich über 350 Fahrer der Herausforderung.

 Prolog

Im Prolog lief es überraschend gut. Es wäre natürlich von Vorteil gewesen, die Strecke vorher abzulaufen, um zu wissen, was wann kommt. Das war aber zeitlich durch Arbeit und die späte Anreise einfach nicht möglich.
Viele kleine Fehler aufgrund der Streckenunkenntnis und der daraus resultierenden Vorsicht kosteten gerade auf der schnell gesteckten Strecke einiges an Zeit.

Mit meiner Zeit wurde ich dennoch bester Deutscher auf Platz 10 und sicherte mir damit eine gute Ausgangsposition für den ersten Fahrtag.

 Tag 1
Am ersten Fahrtag bin ich das Rennen mit einer falschen Strategie angegangen. Ich ging davon aus, dass zwei Runden gefahren werden, und habe mir das Rennen entsprechend eingeteilt. Ich fuhr die schweren Passagen
bewusst langsam und kräftesparend, ohne unnötig Energie zu verschwenden, um in Runde zwei „all in" gehen zu können.
Nach etwa 50 Minuten, direkt nach dem letzten schweren Sektor, nahm ich mir noch die Zeit, ein Gel zu drücken, um mich für die zweite Runde vorzubereiten, und fuhr anschließend bewusst locker im Buschrundentempo Richtung Ziel.
Im Ziel dann die Überraschung: Es wurde nur eine Runde gefahren.

Ich war komplett fassungslos. Das hätte man vielleicht kurz vor dem Start noch einmal klar kommunizieren können. Die Fahrerbesprechung war wohl komplett auf Tschechisch, sodass viele ausländische Fahrer –
mich eingeschlossen – davon nichts mitbekommen haben.
Da viele Fahrer einfach Vollgas gefahren sind, hat es mich in dem Moment besonders hart getroffen. Ich habe dadurch unnötig sehr viel Zeit liegen lassen.
Am Ende stand Platz 15 – deutlich unter dem, was möglich gewesen wäre. Ein klassischer Fall von: Hätten wir lieber nochmal nachgefragt…
Im Nachhinein erschien mir die reine Fahrzeit von knapp einer Stunde auch unlogisch für ein Rennen, das sonst eher 3–4 Stunden mit über 50 km umfasst. Aber so war es nun mal.

 Tag 2
Am zweiten Tag lief es zunächst deutlich besser. Gleiche Strecke, wieder eine Runde – und diesmal wusste man, worauf es ankommt. Ich fand gut ins Rennen, konnte meinen Rhythmus fahren und fühlte mich insgesamt ganz ordentlich auf dem Bike.
Doch dann der nächste Rückschlag: An einer Schlüsselstelle, einem Step-Up über Steine bergauf, verlor ich die Kontrolle. Ich hatte guten Schwung und sah eine Lücke links neben zwei anderen Fahrern. Doch das Bike ging aus, und ich fiel samt Motorrad etwa zwei Meter rückwärts die Steine hinunter – direkt auf meinen ohnehin angeschlagenen unteren Rücken.

Dabei brach mir zusätzlich noch der Schalthebel ab. Ohne Schmerzmittel wäre es an dieser Stelle nicht weitergegangen. Mit diesem Handicap ging es weiter, doch in den folgenden schweren Sektionen fiel es mir zunehmend schwer, unter Schmerzen aktiv und sauber auf dem Bike zu arbeiten. Dadurch wurde es deutlich schwieriger, saubere Linien zu fahren und nicht hängen zu bleiben – was wiederum viel Zeit kostete.
Kurz vor dem letzten schweren Loop stand mein Kumpel und Rucksackfahrer Richard am Streckenrand und montierte mir einen neuen Schalthebel. So konnte ich zumindest technisch wieder halbwegs sauber fahren.

Von da an hieß es nur noch: Schadensbegrenzung.
Die Ibu wirkte, ich zog das Tempo noch einmal an und fuhr im Prüfungstempo Richtung Ziel, um das Beste aus der Situation herauszuholen. Am Ende stand Platz 16 im Ergebnis.
Unter den Umständen ein solides Ergebnis – aber auch eines, bei dem klar ist, dass deutlich mehr drin gewesen wäre.

Hätte, wenn und aber…Was bleibt, ist die Erkenntnis: Wenn endlich einmal alles zusammenpasst – Fitness, Technik und Rennverlauf – dann ist wieder ein deutlich besseres Ergebnis möglich.

Fotos: DG Design / Denis Günther