Das Erzbergrodeo 2026 war für mich wieder etwas ganz Besonderes. Nicht nur, weil es das wohl bekannteste Hard-Enduro-Rennen der Welt ist, sondern auch, weil dieses Jahr das 30-jährige Jubiläum
gefeiert wurde. Schon Wochen vorher war die Vorfreude riesig – und ehrlich gesagt war ich das komplette Wochenende über ziemlich nervös und aufgeregt.
Gemeinsam mit dem kompletten Team von ACE Bikes Lauter reiste ich nach Eisenerz. Besser hätte ich es nicht treffen können. Ich musste mich vor Ort um fast nichts kümmern und konnte mich voll auf das Fahren
konzentrieren. Die Organisation und Unterstützung durch das Team war einfach überragend. Ein riesiges Dankeschön geht auch an meine Sponsoren, allen voran ACE Bikes und den Jungs von X-GRIP, die mich
das gesamte Wochenende unterstützt haben.
Prolog
Der erste Prologtag begann mit Regen, als ich an der Reihe war zum Glück nur leichter Nieselregen. Die Bedingungen waren dadurch aber alles andere als einfach. Zwischen meinen Abreißvisieren sammelte sich Wasser, die Sicht war schlecht und natürlich erwischte ich die Abreißer nicht sofort zum Wegreißen. Bis zu einem Sturz fühlte ich mich allerdings richtig schnell und hatte das Gefühl, auf Kurs dritte Startreihe vielleicht sogar in Richtung Reihe 2 zu sein.
Nach dem Crash lief es leider nicht mehr ganz rund und ich verlor Kurve für Kurve wertvolle Sekunden. Am Ende wurde es zunächst die vierte Startreihe.
Der zweite Prologtag bot dagegen perfekte Bedingungen. Die Strecke war frisch geschoben und das Wetter hervorragend. Rückblickend war ich allerdings einfach zu vorsichtig unterwegs. Einige Anlieger fuhr ich schlecht an, auf den Highspeed-Trassen wählte ich mehrfach die falschen Linien und verlor dadurch unnötig Zeit. Am Ende war ich sogar acht Sekunden langsamer als am Vortag – trotz des Sturzes am ersten Tag.
Damit stand fest: Startreihe vier für das Hauptrennen.
Das Rennen – RedBull Hare Scramble
Der Start verlief alles andere als optimal. Bereits am Start kam ich schlecht weg und war anschließend auf den ersten Trassen fast ausschließlich im Blindflug unterwegs. Der Staub war extrem und machte das Fahren teilweise richtig gefährlich.
Ab der ersten Waldsektion bis zum Checkpoint Wasserleitung lief es dann deutlich besser. Ich fand meinen Rhythmus, hatte ein gutes Gefühl auf dem Motorrad und konnte mich Stück für Stück nach vorne arbeiten. Die Checkpoints 2 und 3 wurden dann allerdings zum absoluten Desaster. An Stellen, die eigentlich relativ einfach waren, bildeten sich riesige Staus. Leider zog sich dieses Bild wie ein roter Faden durch das gesamte Rennen. An nahezu jeder Engstelle oder etwas schwierigeren Passage standen Fahrer. Immer wieder versuchte ich, die Warteschlangen über schwerere Alternativspuren zu umfahren. Oft dauerte das am Ende aber genauso lange wie Anstellen und Warten.
Ab Checkpoint 4 „Zentrum am Berg" lief es deutlich flüssiger. Auch Drive Away, Wacker Neuson, Ludwigsland, Repository und Crossing konnte ich vergleichsweise zügig passieren.
Bis ich am Checkpoint 10 „Carl's Dinner Light" ankam. Dort herrschte Stop-and-Go-Verkehr mitten in den großen Steinen. Die Hitze staute sich zwischen den Felsen und ich fiel in ein absolutes Zuckerloch.

Plötzlich musste ich mich auf jeden einzelnen Stein konzentrieren. Mir war schwindelig, schlecht und ich konnte kaum noch klar denken. Ich arbeitete mich Meter für Meter weiter. Ohne mein Team wäre ich dort vermutlich ausgestiegen. Immer wieder standen sie an der Strecke, motivierten mich, feuerten mich an und gaben mir positive Energie. Genau diese Worte haben mich in dieser Phase weiterfahren lassen.
Checkpoint 11 „Double Fault" kostete anschließend noch einmal richtig Kraft und zog mir endgültig den Stecker. Dort merkte ich zum ersten Mal in diesem Jahr deutlich meine fehlende Bike-Fitness. Aber wo sollte sie auch herkommen? Die Motorradstunden 2026 konnte ich bisher an beiden Händen abzählen. Im Schatten einiger Fichten legte ich schließlich eine kurze Pause ein. Fünf Minuten durchatmen, ein Gel nehmen und versuchen, wieder klar zu werden. Denn vor mir wartete George Avenue.
Davor mussten jedoch erneut hunderte Meter Steinfeld überwunden werden. Diesmal spürte ich aber, wie das Gel langsam wirkte. Das Zuckerloch war überwunden und die Energie kam zurück.
An der Auffahrt zu George Avenue gewann ich zunächst eine Runde „Schnick-Schnack-Schnuck" gegen die „Nordische Kombinationslegende" Lukas Klapfer um wer zuerst hochfahren darf. Danach lief die Auffahrt wie geschnitten Brot und ich war wieder voll im Rennen.
Von dort ging es zügig Richtung Checkpoint 13 „Machine". Allerdings wurde der nächste Engpass nicht die Strecke, sondern mein Tankinhalt. Ich hatte kaum noch Sprit. Wo genau der Tankpunkt lag, wusste ich nicht. Also wartete ich auf meinen Kumpel und Rucksackfahrer Richard. Von seiner GasGas bekam ich schließlich den nötigen Kraftstoff. Dafür mussten wir allerdings erst den Tank demontieren, um überhaupt umfüllen zu können. Das kostete leider jede Menge Zeit.
Vor Machine warteten dann noch einmal rund 500 Meter Steinfeld. Überraschenderweise lief dieser Abschnitt richtig gut. Unter den lautstarken Anfeuerungen von Alex Schmidt erreichte ich schließlich den Checkpoint. Dort übernahm unser Teamchef Jens das Kommando und trieb mich förmlich den Berg hinauf. Checkpoint 13 geschafft. Danach ging es vergleichsweise entspannt Richtung Checkpoint 14„Dornröschenwald". Dort bot sich ein unglaubliches Bild. Locker 40 bis 50 Motorräder lagen im Hang.
Überall erschöpfte Fahrer. Überall Stau. Mein erster Gedanke war: „Gut, das war's für heute. Keine Chance, dass ich das in der verbleibenden Zeit schaffe."
Doch dann passierte etwas, das den Erzberg so besonders macht. Daryoosh Ghorbani hielt eine lautstarke Ansprache an die Fahrer. Warum wir alle nur warten würden. Warum wir uns nicht gegenseitig helfen. Ohne Hilfe würde hier niemand mehr durchkommen.
Ich sprang sofort vom Motorrad und unterstützte ihn. Gemeinsam motivierten wir die völlig erschöpften Fahrer. Auch Ex-Nordischer Kombinierer und lebende Legende Lukas Klapfer zögerte keine Sekunde.
Wenige Augenblicke später liefen wir den Hang hinauf und bildeten eine Menschenkette. Gemeinsam zogen und schoben wir Motorrad für Motorrad durch die Schlüsselstelle von Checkpoint 14.
Die Uhr lief unerbittlich weiter. Doch am Ende wurden wir für unseren Einsatz belohnt. Checkpoint 14 wurde gewertet. Das ist für mich der wahre Erzberg-Spirit. Wenn alle zusammenhelfen, kommt am Ende etwas Gutes zurück.
Am Ende stand Platz 120 von rund 500 Fahrern, die sich für das Finale qualifiziert hatten. Insgesamt waren rund 1.500 Teilnehmer aus 41 Nationen am Start – auf einem Kurs, der jedes Jahr noch härter wird.
Unter Berücksichtigung meiner Vorbereitung, der wenigen Motorradstunden in diesem Jahr und aller Umstände kann ich stolz sagen: Ich bin weitergekommen als jemals zuvor. Und genau deshalb bin ich mit meiner Leistung zufrieden.
Auch wenn ich meinem Team gern ein besseres Ergebnis geschenkt hätte.
Ein riesiges Dankeschön geht deswegen an mein Team ACE Bikes Lauter, meine Sponsoren und Partner, meine Familie, meine Partnerin, meine Freunde und alle Unterstützer am Berg. Ihr seid großartig.
Das 30-jährige Jubiläum des Erzbergrodeos miterleben zu dürfen, war erneut ein unvergessliches Erlebnis.
Fotos: DG Design/Denis Günther